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Bundesliga

Na servus! Bundesliga-Premiere für Timo Lippuner und Laura Künzler

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Die Schweizer Timo Lippuner (36) und Laura Künzler (20) schreiben mit ihrer Premiere in der 1. Bundesliga Volleyballgeschichte: Mit den Roten Raben Vilsbiburg bringen sie in der Ballsporthalle den haushohen Favoriten und amtierenden Deutschen Meister Schweriner SC arg in Bedrängnis und müssen sich nach vier hart umkämpften Sätzen (19:25, 25:19, 20:25, 23:25) knapp geschlagen geben. In Niederbayern schwärmt man von unseren Volleyball-Assen und träumt bereits vom Meistertitel!

Im Rabennest in der bayrischen Kleinstadt Vilsbiburg (11.000 Einwohner) geht es familiär zu und her: Der Fanclub der Roten Raben (110 Mitglieder) hat die Volleyballanlage wie immer pünktlich und vollständig aufgebaut. Am Eingang steht ein Mädchen, dass Programmhefte verteilt, daneben der Fanshop mit Trikots, Schals und Abzeichen – hinter dem Bartresen fleissige Helfer in Stellung für den Verkauf von Essen und Getränken (Käsesandwich 2 Euro, Bier 4 Euro). Die Fernsehkameras für die Liveübertragung auf Sport1 sind alle bereit – und die Bühne für ein Spektakel war gerichtet!

Trotz einem Champions League Heimspiel des FC Bayern München pilgern 1540 Zuschauer in die Ballsporthalle, wollen die Premiere von unserem Nationaltrainer Timo Lippuner und unserem Aushängeschild Laura Künzler sehen. Dazu stehen ganze drei deutsche Nationalspielerinnen im Team: Jennifer Pettke, Leonie Schwertmann und Lena Stigrot. Aus der Schweiz sind Lippuners Eltern und Künzlers Mutter angereist sowie ein Journalist von SRF (Radio) und natürlich Volley1.ch.

Es geht los: Die Spielerinnen werden einzeln mit Scheinwerfern und Bühnenrauch in die Arena gerufen, die Stimmung brodelt. Timo Lippuner steht zuvorderst neben Assistenztrainer Konstantin Bittner, klatscht alle Spielerinnen ab – auch die Nummer 5 Laura Künzler, das Herz der Schweizer Nationalmannschaft. Kann sie die Erwartungen des ambitionierten Vereins erfüllen, dem Erfolgsdruck standhalten? Viele offene Fragen – die Partie gegen den meistgenannten Meisterschaftsfavoriten wird die Antwort geben. „Ich habe Gänsehaut gehabt, als ich in diesen Hexenkessel eingelaufen bin“, sagt Künzler später. Alle Spieler auf dem Feld und siehe da, die ehemalige Angreiferin von Sm’aesch Pfeffingen steht in der Startformation. Anpfiff!

Im 1. Satz muss Timo Lippuner beim Stand von 0:4 bereits das erste Time Out nehmen. Er erklärt den Spielerinnen nochmals, was er erwartet und ballt beim 2:4 die Siegerfaust. Dann um 19:09 Uhr der erste Bundesliga-Punkt von Laura Künzler – 3:4. Die Roten Raben spielen gut, machen aber in wichtigen Momenten noch unnötige Fehler und müssen den Satz mit 19:25 abgeben, schade!

Im 2. Satz agiert der Gastgeber dynamischer, geht schnell in Führung, zeigt phasenweise Volleyball der Spitzenklasse. Auf den Zuschauerrängen braust bereits die Laola-Welle durch die Halle. Der Schweriner Coach nimmt ein Time Out und wird vom Raben-Fanclub-Sprechchor zynisch gefragt: „Auszeit – wos is des? Nervös?“ Das Heimteam von Lippuner spielt auf konstantem Niveau weiter und schlägt zurück – 25:19 Satzgewinn.

Auch im 3. Satz spielt die Mannschaft von Timo Lippuner gut, zeigt schön herausgespielte Kombinationen. Insbesondere auch die erfahrenen Jennifer Pettke und Lena Stigrot rotieren gut, zeigen wiederholt ihre internationale Klasse. Trotzdem geht Satz mit 20:25 an den Deutschen Meister. Ist das bereits die Vorentscheidung? Nein!

Der 4. Satz wird zum Krimi – beide Mannschaften zeigen hochstehendes Volleyball, wobei die Roten Raben das mehrheitlich bestimmende Team sind und fast immer in Führung liegen. Doch was passiert? Ein Netzroller und ein diskussionswürdiger Punkt bringen die 23:25 Entscheidung für die Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Roten Raben verlieren das erste Meisterschaftsspiel, gewinnen aber viele Sympathien und werden wie Sieger gefeiert. Dynamik, Kampf, Zusammenhalt – das ist die neue Version der Roten Raben 2017/18.

Der Trainer Timo Lippuner gehört auch in der 1. Bundesliga zweifellos zu den intelligentesten, fortschrittlichsten Trainern: Seine Fachkompetenz in Taktik und Strategie sowie sein modernen Trainingsmethoden sind führend und werden sich am Saisonende zweifellos in der Tabellenplatzierung der Roten Raben (Budget: 1,1 Mio) widerspiegeln. Die Vereinsführung, die Sponsoren und Spielerinnen sind voll des Lobes über sein attraktives, kämpferisches Offensivspektakel. „Er ist ein 24 Stunden Workaholic mit einem unglaublichen Wissen über das Volleyball. Viele Übungen sind selbst für mich neu“, meint die gestandene deutsche Nationalspielerin Lena Stigrot nach dem Spiel in der VIP Lounge. Die sympathische Lengrieserin ist nicht nur die Beauty-Queen des deutschen Volleyballs, sondern auch eine der grossen Teamstützen und haut den entscheidenden Satz raus: „Ich will um die Meisterschaft spielen und ins Pokalfinale!“

Auch Laura Künzler ist in der 1. Bundesliga angekommen und überzeugt mit einer Traumannahmequote von 65% (bester Wert aller Spielerinnen auf dem Platz) – zusätzlich ist sie mit 14 Punkten zweitbeste Skorerin in den Reihen ihres Teams. „Sie hat ein sehr gutes Spiel gemacht und die Bälle ‚gekillt‘ und das gegen den Deutschen Meister…,“ analysiert Lippuner treffend.

Künzler ist bereits bestens im Team integriert und wird auch von den erfahrenen Führungsspielerinnen voll akzeptiert und geschätzt. „Laura hat gute körperliche Voraussetzungen und ein enormes Potential“, lobt Stigrot. Und: Auch im Programmheft im typischen bayrischen Dirndl macht sie eine gute Figur…

Foto: Programmheft, Rote Raben Vilsbiburg

 

Interview mit Timo Lippuner und Laura Künzler:

Timo Lippuner, werden Sie Deutscher Meister?

Die Bundesliga-Premiere ist geschafft: Wie bewertet ihr die heutige Leistung der Roten Raben, zufrieden?

Timo Lippuner: Wir haben heute Morgen erstmals alle Spielerinnen im Training gehabt, da können noch nicht alle Spielzüge blind sitzen. Die Abstimmung hat teilweise noch gefehlt – natürlich ist das Niveau hoch, doch die Mannschaft hat phasenweise schon sehr gute Aktionen gezeigt und den amtierenden Deutschen Meister an die Grenzen gebracht.

Laura Künzler: Die Abstimmung hat noch gefehlt – es ist ärgerlich, dass wir so knapp verloren haben. Doch wir haben mehrmals auch gute Ansätze gezeigt.

Wo sehen Sie die grössten Unterschiede zwischen der Schweizer Volleyball NLA und der deutschen 1.Bundesliga?

TL: Es ist hier alles viel professioneller. Das beginnt bereits mit dem Werbeauftritt in der Stadt – überall in Vilsbiburg und Umgebung hängen Plakate. Auch gibt es hier in Deutschland einen Masterplan, an den sich alle Mannschaften halten müssen mit Vorgaben zu Vereinsstrukturen wie Halle oder Teamumfeld, die für die Professionalisierung des Volleyballsports enorm wichtig und gewinnbringend sind.  Die Roten Raben sind im Dorf Gesprächsthema, ich werde auf der Strasse gegrüsst, angesprochen und kann nicht falsch parkieren, ohne dass es danach alle wissen…

LK: Der Niveauunterschied ist sehr gross. Das Kader ist in der Breite qualitativ enorm stark besetzt, da muss man sich in jedem Training neu beweisen. Auch die Show mit dem Einlauf in die Halle und die gute Stimmung auf den Zuschauerrängen sind für einen Sportler enorm motivierend. Und jetzt muss ich nach dem Spiel noch in die VIP Lounge.

Was ist das Saisonziel mit den Roten Raben Vilsbiburg, liegt der Meistertitel drin?

TL: Ich will immer jedes Spiel gewinnen. Doch wir wollen innerhalb der nächsten drei Jahre den Abstand auf die Top 3 in Deutschland wettmachen. Wir streben sicher eine Halbfinal-Qualifikation an.

Das nächste Spiel bestreiten die Roten Raben Vilsbiburg am Samstag, 21. Oktober 2017 auswärts gegen die Ladies in Black Aachen.

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