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Sind die „Jammertiraden“ von Vereinen und Spielerinnen gerechtfertigt?

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In der Volleyballszene wird gerne und oft gejammert – über das mangelnde nationale Medieninteresse, über die Schwierigkeiten bei der Sponsorensuche und über die fehlenden Zuschauer(einnahmen). In Sachen Vermarktung der Spielerinnen hinkt man den anderen Sportarten meilenweit hinterher.

Doch sind diese „Jammertiraden“ gerechtfertigt?

Nein. Die nationalen Medien sind dem Volleyballsport nicht abgeneigt, sondern wären durchaus bereit auch spannende Geschichten über die Topcracks ins Blatt zu nehmen. Doch meistens sind es die Spielerinnen selbst, die den Sinn und Wert einer positiven Berichterstattung für die Sportart, ihren Verein mit den Sponsoren und vor allem ihre Karriere nicht verstehen oder hier oftmals unvorteilhaft vorgehen.

In der vergangenen Saison wäre die grösste Boulevardzeitung bereit gewesen eine Story über eine Spielerin von Kanti Schaffhausen abzudrucken. Doch die Spielerin hatte keine Lust und sagte ab, was selbst in der Verbandsspitze von Swiss Volley für Kopfschütteln und Stirnrunzeln sorgte. Oder bei Volero Zürich beklagten sich ausländische Spielerinnen darüber, dass die Medienberichterstattung ausschliesslich auf Laura Unternährer ausgerichtet sei – wenn sich ihnen jedoch ebenfalls die gleiche Möglichkeit bot, hatten sie gerade mal knappe fünf Minuten in der Halle nach dem Training Zeit. Keine Einzelfälle, sondern fast schon die Regel im Volleyballsport hierzulande.

Wo bleiben die Spielerinnen mit Charisma?

Im Fussball sind es Persönlichkeiten wie Cristiano Ronaldo, David Beckham oder Neymar – Spieler mit Ecken und Kanten, welche die Fans in Scharen in die Stadien locken. Auf dem Platz ist Ronaldo ein wertvolles Mosaikteil in einem harmonierenden Kollektiv – hinsichtlich der Vermarktung ist er oftmals die ultimative „One-Man-Show“…

Auch in der Schweizer Volleyballszene wollen die Medien und Zuschauer charismatische Spielerinnen sehen, die auf dem Platz Topleistung bringen, eine gute Ausstrahlung haben und auch abseits des Courts offen, volksnah und sympathisch rüberkommen. Doch Spielerinnen, welche sämtliche dieser Eigenschaften mitbringen, sind hierzulande rar gesät.

Hat Sm’Aesch-Pfeffingen das grosse Los gezogen?

Die charismatischste Figur in dieser Saison ist zweifellos Dora Grozer von Sm’Aesch-Pfeffingen. Sie ist ein echter Glücksgriff: Sie kann das Team von Andi Vollmer nicht nur zum Titel ballern, sondern auch eine noch nie zuvor da gewesene Volleyball-Euphorie am Rheinknie auslösen. Sie kommt aus einer bekannten Volleyballfamilie.  Sie verfügt über enorme Sprungkraft, schmettert die Bälle mit enormer Wucht und Präzision ins Feld des Gegners. Sie verfügt über eine unheimliche Ausstrahlung, welche die Zuschauer wie Medien gleichermassen in ihren Bann zieht. Für die BILD-Zeitung hat sie sich mit ihrem ehemaligen Freund Jan Zimmermann (Anm. d. Red. Deutscher Nationalspieler) gemeinsam in einem Volleyballnetz ablichten lassen. Ein professionelles, kreatives Fotoshooting, das bei unseren Schweizer Volleyballerinnen wohl umgehend auf Ablehnung gestossen wäre. Mit einem solchen Juwelen und einer guten PR-Strategie muss es Aesch schaffen, in jedem Heimspiel 1000 Zuschauer in die Halle zu locken.

Volley1 fragte Trainer Andi Vollmer: Kann Dora Grozer sogar Volero-Starspielerin Rosir Diaz Calderon vergessen machen?

Andi Vollmer antwortet cool von der WM in Japan: „Das lässt sich nicht vergleichen. Das sind unterschiedliche Welten: Ein Weltstar aus Kuba und eine einfache Bundesligaspielerin von der Bank. Sie muss vor allem Spass am Volleyball finden, den hatte sie zuletzt verloren.“

Dora Grozer ist für die Medien, Sponsoren und auch eine grosse Masse der Volleyballfans interessant. Volley1 hat mit der BILD-Zeitung und dem Volleyball Magazin über Grozer gesprochen – und auch bei Sm’Aesch-Pfeffingen bezüglich Individualsponsoring (wie es bei Kanti Schaffhausen vorbildlich praktiziert wird) nachgefragt. Andi Vollmer war von der Idee begeistert, doch letztlich hat sich offenbar hauptsächlich ex-FCB-Präsident Bernhard Heusler im Vorstand von Sm’Aesch-Pfeffingen gegen diese Form des Sponsorings ausgesprochen, da dies zu Eifersucht innerhalb der Mannschaft führen könnte. Das ändert nichts daran, dass Dora Grozer die grosse Attraktion in dieser Saison ist!

 

Foto: Marc Raeber

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1 Comment

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  1. Martin

    30. September 2018 at 14:02

    Ich denke nicht, dass es an charismatischen Spielerinnen mangelt (gilt für Schweizerinnen und Ausländerinnen). Kommt darauf an, was man unter Charisma/Ausstrahlung im Sport versteht. Kann ja nicht nur Schönheit gemeint sein (welche eh subjektiv empfunden wird). Ich denke, den Leuten in der Halle gefallen vor allem Spielerinnen die folgendes verkörpern: Siegeswillen, Spielfreude, Können und Fairness… und neben dem Platz nahbar sind für die Kids oder einem Club mehr als nur eine einzige Saison verbunden sind. Und wenn jemand keine Story über sich in der grössten Boulevardzeitung sehen will, sagt das vielleicht mehr aus über das Image der Zeitung (ob gerechtfertigt oder nicht). Den Fussballmultimillionären kann es egal sein, was über sie berichtet wird, denn sie müssen sich nach der Sportkarriere keinen „normalen“ Job mehr suchen oder am nächsten Tag wieder mit den Mitstudierenden im Hörsaal sitzen.

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Volley1 Awards 2019 – Best of the Best

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Auch dieses Jahr wird Volley1 – Das Schweizer Volleyball-Portal wieder die besten Volleyballspielerinnen auszeichnen: Most Valuable Player (MVP), Best Swiss Player und Rookie of the Year.

Im vergangenen Jahr fanden die Volley1 Awards – Best of the Best bei Athletinnen, Anhängern und selbst mehrere Medien (Print und Rundfunk) berichteten darüber. Die Preisträgerinnen wurden durch eine von Volley1 zusammengestellte unabhängigen Fachjury nominiert und gewählt.

Als Most Valuable Player 2018 wurde Ana Antonijevic ausgezeichnet, Captain von Volero Zürich, die mittlerweile beim türkischen Spitzenteam Fenerbahçe Istanbul für Furore sorgt. Die beste Schweizerin Spielerin war Laura Unternährer (ehemals Volero Zürich), die inzwischen bei Volero Le Cannet unter Vertrag steht. Und als Best Rookie wurde Korina Perkovac (Volley Luzern/Kanti Schaffhausen) geehrt, die mittlerweile auch eine feste Grösse in der Schweizer Nationalmannschaft ist.

Folgende Spielerinnen sind für die Volley1 Awards – Best of the Best nominiert:

„Most Valuable Player“

Tia Scambray (Neuchâtel UC)

Kyra Holt (Neuchâtel UC)

Dora Grozer (Sm’Aesch Pfeffingen)

Danielle Harbin (TS Volley Düdingen)

Katerina Holaskova (Kanti Schaffhausen)

„Best Swiss Player“

Gabi Schottroff (Sm’Aesch Pfeffingen)

Laura Künzler (Rote Raben Vilsbiburg, D)

Maja Storck (Ladies in Black Aachen, D)

„Rookie of the Year“ (Jg. 2000<)

Coralie Varé (VFM)

Annalea Mäder (Sm’Aesch Pfeffingen)

Fabiana Branca (Volley Lugano)

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Champions League Kracher Minsk-Novara – Der Volley1 Vergleich

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Es ist das Spiel des Jahres!

Minchanka Minsk empfängt heute Abend (20.00 Uhr) in der Champions League den italienischen Meister Igor Gorgonzola Novara. Die Favoritenrolle liegt klar auf Seiten der Italienerinnen. Volley1 vergleicht die Stars vor dem heutigen Mega-Duell!

Die Meisterschaft dominiert Novara nach Belieben: 9 Spiele, 9 Siege, ungeschlagen, konkurrenzlos, spitze! Derweil hat Minsk letzte Woche mit dem Cupsieg erneut seine Übermacht in Weissrussland untermauert (Minsk spielt in der russischen Liga).

Volley1 vergleicht vor dem Mega-Duell die drei Schlüsselspieler beider Klubs: Stoliar gegen Egonu, Kalinovskaya gegen Chirichella und Kovalchuk gegen Piccinini. Wer hat wo Vorteile?

Stoliar gegen Egonu

Nadzeya Stoliar ist eine zentrale Figur im Minsker Spiel. Sie wird oft von ihren Mitspielerinnen gesucht und zählt mit ihrer enormen Sprungkraft zu den gefährlichsten Minchanka-Akteurinnen. An einem guten Tag kaum zu stoppen!

Paola Egonu gehört zweifellos zu den weltweit besten Volleyballerinnen. Nationaltrainer Timo Lippuner spricht gar von einem „Jahrhunderttalent“. Sie hat auch schon 40 Punkte erzielt. 

Kalinovskaya gegen Chirichella

Anna Kalinovskaya spielt eine bislang tadellose Saison. Sie gehörte bereits in der 1.Bundesliga bei Ladies in Black Aachen zu den gefürchtesten Mittelblockerinnen der Liga. Mit ihrem taktischen Spielverständnis und  Erfahrung  kann sie jede Gegnerin stoppen. 

Cristina Chirichella ist das Aushängeschild der italienischen Super-Nationalmannschaft. Sie ist Leaderin, Anführerin und unbestrittene Leistungsträgerin, für die das Prädikat „Weltklasse“ nicht zu hoch gegriffen ist.

Kovalchuk gegen Piccinini

Oksana Kovalchuk ist das Volleyball-Urgestein der Liga. Grosse Klasse wie die langjährige Nationalspielerin auch im Alter mit 39 Jahren immer noch abliefert– chapeau!

Francesca Piccinini ist altersmässig das Pendant bei Novara. Sie bestritt 408 Länderspiele und nahm viermal bei Olympischen Spielen für Italien teil. Im Jahr 2002 feierte sie mit dem Weltmeistertitel ihren grössten Titel.

Wer gewinnt in der Königsklasse? Die Wettanbieter favorisieren alle Novara mit 10-1. (Vielleicht macht das Mut: Vor 28 Jahren war Mike Tyson im Tokyo Dome gegen James ‚Buster‘ Douglas sogar 42-1 Favorit und unterlag sensationell durch KO in der 10.Runde.)

Der Countdown läuft…

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LUC bodigt auch Cheseaux! Mit Volleyball-Spektakel ins Cup-Viertelfinale

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Advent, Advent ein Lichtlein brennt! Wer sagt denn, dass die Adventszeit ruhig und besinnlich ist: Lausanne UC deklassiert im Achtelfinale des Waadtländer Cup den VBC Cheseaux problemlos in drei Sätzen (25:17, 25:18, 25:17).   

Die Mannschaft von Trainer Pierre Pfefferle dominiert nicht nur die Meisterschaft nach Belieben, sondern trumpft nun auch im Cup noch gross auf. Auch der Traditionsverein Cheseaux kann die Überfliegerinnen von LUC nicht aufhalten. Rumms! Anstatt Siege gibt’s Hiebe von LUC…

Die Partie ist eine einseitige Sache: In allen drei Sätzen lässt LUC zu keinem Zeitpunkt etwas anbrennen. Trotzdem machten die Frauen von LUC dem Heimteam noch ein paar verfrühte Weihnachtsgeschenke in Form von unnötigen Fehlern. Ansonsten wäre das Resultat noch wesentlich höher aufgefallen.

Trainer Pfefferle wechselte mutig, gab auch den jüngeren und unerfahrenen Spielerinnen (beispielsweise Delphinia Al Hallali) wertvolle Spielzeit, die für deren Weiterentwicklung und Selbstvertrauen wichtig ist. Und er sendet so eine Botschaft an sein Team, dass jede Spielerin ein wichtiges Mosaikteilchen des Erfolgs ist!

Die grösste Herausforderung von LUC ist es trotz dem Klassenunterschied in der Meisterschaft und bisher im Waadtländer Cup die Konzentration zu jedem Zeitpunkt hoch zu halten. Der Durchmarsch von der vierten Liga in die zweite Liga und nächstes Jahr in die erste Liga scheint vorprogrammiert.

Weihnachten in Argentinien und im Wallis

Nach dem Spiel sagte Alana Blagojevic: „Wir hatten einige Hochs und Tiefs im Spiel, doch es macht Freude mit diesem Team zu spielen.“ Auch ihre jüngere Schwester Anja, die letzte Saison noch für Cheseaux (1. Liga) spielte und dieses Jahr im NLA-Team von Teemu Oksanen vorgesehen war, freute sich: „Ich fühle mich sehr wohl bei LUC, doch ich habe auch viele schöne Erinnerungen an diese Halle und an Cheseaux.“

Wer will dieses Team stoppen? Der Aufstieg in die zweite Liga scheint bereits nach der Meisterschafts-Hinrunde als perfekt – und nun bläst man zum Angriff auf den Titel (Waadtländer Cup)!

Libero Floriane Paschoud analysiert treffend: „Wir konzentrieren uns primär auf die Meisterschaft, der Waadtländer Cup ist für uns ein Bonus. Die anderen Mannschaften in der dritten Liga spielen teilweise gutes Volleyball, doch wir spielen eine Stufe drüber. Wir verfolgen unser langfristiges Ziel beharrlich und versuchen stets unsere beste Leistung abzurufen.“

Nun werden die Batterien über Weihnachten wieder aufgeladen, um im neuen Jahr wieder nahtlos dort anzuknüpfen, wo man dieses Jahr aufgehört hat. Angriffs-Ass Yiting Cao wird in Argentinien feiern, das Team-Küken Delphinia Al Hallali bei den Grosseltern im Wallis.

Joyeuses Fêtes de Noël à tous!

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