Chiariello-Schwestern: Stage bei Weltklasse-Trainerin Kristina Ghiurova in Fabriano

06.08.2019 - Die Bernerinnen Livia Maria Chiariello und ihre jüngere Schwester Sophia Carlotta haben das zweite Jahr in Folge einen Stage in der Talentschmiede von Fabriano (Italien) bei Kristina Ghiurova und Julieta Cantaluppi absolviert. Das Training ist knallhart und die Trainerinnen verlangen ihren Gymnastinnen alles ab. „Da capo!“/ „Und alles nochmals von vorne“ erklingt es, wenn man denkt, mehr geht nicht. Der strenge Blick der Trainerin übersieht keinen Fehler, die Korrekturen sind präzise und erfolgen mit wenigen und treffenden Worten. Effizienz wird gross geschrieben, auch bei acht Stunden Training pro Tag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steht man vor der Halle verspürt man nichts vom Glanz und Glamour eines Irina Viner-Centers. Die Infrastruktur ist einfach, die Konzentration liegt alleine auf der Arbeit. Immerhin stehen zwei Teppiche jeden Morgen bereit. Darauf findet die Arbeit statt, die nebst vielen anderen Erfolgen auch zu Medaillen an der WM 2018 in Sofia (Milena Baldassari), an der Jugend-Olympiade 2018 (Talisa Toretti) und an der Junioren-Weltmeisterschaft 2019 (JEM-Gruppe und Sofia Raffaeli) vor zwei Wochen geführt hat. Mit diesen Ergebnissen ist die Accadmia Fabrianese endgültig an die Weltspitze vorgestossen. SwissRG unterhielt sich mit Kristina Ghiurova über die Junioren-WM in Moskau, ihre erfolgreiche RG-Familie und die die Chiariello-Schwestern.

SwissRG: Guten Tag Kristina Ghiurova. Wir gratulieren Ihnen und Julieta Cantaluppi sowie der gesamten Faber Ginnastica Fabriano zu 5 (!) Vize-Weltmeistertiteln an der Junioren-Weltmeisterschaft in Moskau vor zwei Wochen. Sie waren erfolgreich mit der Gruppe und im Einzel. Mit welchen Eindrücken kehren Sie von der WM zurück?

Kristina Ghiurova: Wir haben die Junioren-Weltmeisterschaft mit grosser Spannung erlebt. Die Arbeiten mit der Gruppe wurden spät aufgenommen. Zum ersten Mal mussten Übungen mit zwei Handgeräten gezeigt werden; es bestand nicht viel Zeit für die Vorbereitung. Mit den Resultaten waren wir sicher zufrieden, auch wenn wir es hätten besser machen können.

SwissRG: Sie haben Ihre Tochter Julieta Cantaluppi trainiert. Wie war es, mit der eigenen Tochter zu arbeiten?

Kristina Ghiurova: Es war sehr viel einfacher, als andere zu trainieren. Ich musste ihr – und auch anderen – nicht viel erklären. Sie hat hart und sehr viel gearbeitet.

SwissRG: Welche Emotionen haben Sie erlebt, als Julieta Cantaluppi 2012 an den Olympischen Spielen in London teilnahm, in jener Stadt, in der Sie 1979 Weltmeisterin (mit Seil) wurden?

Kristina Ghiurova: Diese Verbindung habe ich nie gemacht. Ich war einfach froh, dass Julieta an den Olympischen Spielen teilnehmen durfte. Der Code im Jahre 2012 liess aber viel Raum für subjektive Interpretation.

SwissRG: Ist der heutige Code diesbezüglich besser?

Kristina Ghiurova: Der heutige Code ist von allen bisherigen Codes derjenige, der am wenigsten Raum für subjektive Interpretation lässt.

SwissRG: Sie legen bei Ihrer Arbeit viel Wert auf künstlerische Interpretation. Schadet die Unbegrenztheit der Schwierigkeiten (D) im aktuellen Code der Artistik?

Kristina Ghiurova: Nein. Es obliegt der Trainerin, die Übung entsprechend künstlerisch zu gestalten und der Gymnastin, sie entsprechend umzusetzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SwissRG: Was ist die Rhythmische Gymnastik für Sie? Worum geht es?

Kristina Ghiurova: Rhythmische Gymnastik ist etwas Künstlerisches. Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen. An viele Übungen – auch der besten Gymnastinnen – kann ich mich nicht erinnern. An eine schön erzählte Geschichte aber erinnert man sich.

 

SwissRG: Zum zweiten Jahr in Folge sind die Schweizer Gymnastinnen Livia Maria und Sophia Carlotta Chiariello in Ihrer Akademie, um mit Ihnen zu arbeiten. Wie beurteilen Sie die beiden nach einem Jahr?

Kristina Ghiurova: Sie haben hier sehr hart gearbeitet. Seit dem letzten Jahr haben sie sich stark verbessert. Sie müssen aber mehr als vier Stunden pro Tag trainieren. Sie sind bei uns stets willkommen. Ich wünsche ihnen alles Gute.

 

 

Erfolgreiche Familiendynastie: Shismanova - Ghiurova - Cantaluppi

Kristina Ghiurova ist die Tochter von Julieta Shismanova. Shismanova gilt als Begründerin der Rhythmischen Gymnastik in Bulgarien und hat viele grosse bulgarische Gymnastinnen ausgebildet, unter ihnen auch Maria Petrova. Shismanova ist 1978 auf dem Weg an einen Wettkampf zusammen mit zwei Gymnastinnen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Ein Jahr später wurde ihre Tochter Kristina Weltmeisterin (mit Seil) in London. Julieta Cantaluppi, mehrfache italienische Meisterin und Olympia-Teilnehmerin (2012), wurde nach ihrer berühmten Grossmutter benannt.

 

Bilanz bei der Junioren-WM in Moskau 2019

2. Rang Gruppe AA

2. Rang Gruppe Final 5 Reifen

2. Rang Team

2. Rang Sofia Raffaeli Final Keulen

2. Rang Sofia Raffaeli Final Seil

Fotos: Elisabeth Chiariello

Olga Bogdanova, Sm'Aesch Pfeffingen

Spielerin des Monats November