SwissRG-Interview mit dem FIG-Präsidenten und IOC-Mitglied  Morinari Watanabe

"Es ist besser Gruppen- und Einzelwettkämpfe zu fördern"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von: OLIVER DÜTSCHLER, Executive Editor

13.08.2019 – Dieses Interview mit dem mächtigsten Mann des Weltturnverbandes FIG und IOC-Mitglied dürfte Geschichte schreiben: Morinari Watanabe (60) exklusiv auf SwissRG!

Erstmals erklärt der amtierende FIG-Präsident, was er über die Rhythmische Gymnastik in der Schweiz denkt. Warum er überzeugt ist, dass in der Rhythmischen Gymnastik die Gruppe- und die Einzelkategorie gefördert werden soll, aber auch wie die Sportart in Westeuropa generell vorangebracht werden kann.

SwissRG: Guten Tag Herr Watanabe, welchen persönlichen Bezug haben Sie als Präsident der FIG und oberster Turner zur Rhythmischen Gymnastik?

 

Morinari Watanabe: Nach meinem Universitätsabschluss habe ich in Zusammenarbeit mit einem japanischen Einzelhandelsunternehmen RG-Clubs in Japan eröffnet. Derzeit gibt es in Japan 50 Clubs mit über 8.000 Turnern. Übrigens ist die Turnerin, die an den Olympischen Spielen in Rio in der Einzelkategorie startete, eine Turnerin eines meiner Clubs.

SwissRG: Der Stellenwert der Rhythmischen Gymnastik ist speziell in Westeuropa teilweise noch sehr bescheiden. Welche Anstrengungen unternehmen Sie konkret, um diesen schönen Sport weiter voranzubringen (Projekte, Botschafter, Medien…)?

Watanabe: Die Rhythmische Gymnastik ist ein sehr guter Sport für die emotionale Entwicklung von Mädchen. Rhythmische Gymnastik passt perfekt zum Unterricht von Kindern. Daher ist die Gründung vieler privater Schulen und Vereine für die Förderung des Sports von grosser Bedeutung. 1992 gründete ich die Japan RG Club Federation. Ursprünglich gab es in Japan nur 60 Clubs, jetzt, 20 Jahre nach der Gründung des Verbandes, hat die Anzahl der Clubs über 1.000 erreicht.

Swiss RG: Auch der Schweizerische Turnverband (STV) unternimmt wertvolle Anstrengungen in der RG: Nach schwierigen Jahren in der RG hat er sich 2018 für einen Neustart in der RG ausgesprochen. Diese Bemühungen tragen Früchte: Das JEM-Projekt 2019 war erfolgreich. Neu bekennt sich der STV aber auch zum Einzelstart – vorerst nur im Juniorinnenbereich. Der STV hat jedoch die Einzelstarts im Elitebereich für die Zukunft explizit offen gelassen. Das Schweizer Konzept hat die Priorität bei der Gruppe. Das Einzelprojekt ist aber eine weitere Option und motiviert junge Athletinnen und Trainerinnen.

Was halten Sie von dieser innovativen Öffnung und Neuausrichtung? Macht es sportlich Sinn, wenn man den Einzelstart im Juniorinnenbereich öffnet, ihn auch im Seniorinnenbereich zu ermöglichen?

Watanabe: In Japan werden je nach Niveau der Turnerinnen mehrere Veranstaltungen durchgeführt, z. B. Kinder-, Junioren-, Jugend- und nationale Meisterschaften. Darüber hinaus variieren die Regeln je nach Alter.

SwissRG: Welchen Stellenwert räumen Sie der strategischen Vorgehensweise ein, dass die Verbände nicht eingleisig fahren, sondern sowohl im Einzel und in der Gruppe bestrebt sind, bei den FIG Turnieren teilzunehmen? Welchen Mehrwert und welche Chancen erkennen Sie, wenn ein Land Anstrengungen auf sich nimmt, in beiden Bereichen Präsenz zu zeigen und nach dem internationalen Niveau zu streben?

Watanabe: Einige Turner sind für Einzelwettkämpfe geeignet, andere für Gruppenwettkämpfe. Ich denke daher, dass es besser ist, beides zu fördern, um die Individualität jedes Turners zu entwickeln.  

SwissRG: Die Website SwissRG versteht sich als exklusive Plattform für die Athletinnen, Trainer, Offiziellen, Verbände, Fans und vor allem für den Sport. Wie gefällt Ihnen der Auftritt von SwissRG?  

Watanabe: Es ist immer eine große Freude, eine neue Website mit Informationen über unseren schönen Sport zu sehen. Ich wünsche SwissRG weiterhin viel Erfolg und eine gute Entwicklung.

Foto: Fédération Internationale de Gymnastique (FIG)

               Interview: ENGLISH

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